Berlin Epiphanien-Kirche (Charlottenburg)

Jurate Landsbergyte, Vilnius/Litauen >
Prof. Dr. Ewald Kooiman (Prof. in Hoofddorp/Niederlande) >
Heinz Wunderlich (Prof. in Hamburg) >
Prof. Stefan Engels (Princeton New Jersey/USA) >

Eine wunderbare Klangwelt für Entdeckungen

Die neue Orgel in der Epiphanienkirche übertrifft Erwartetes: Die Eigenart ihres Klanges und die Vielfalt ihrer Möglichkeiten erwecken Vorstellungen von Tiefe und Weite in der Orgelmusik. Der neue, erweiterte Klangraum eignet sich besonders gut für moderne Musik. Als ins Weite, in den überirdischen Raum gerichtete Sehnsucht erfaßt uns dieser Orgelklang aufregend bei den Werken von Olivier Messian, überzeugend aber auch bei Barockmusik und sensibel berührend, wie "unter die Haut gehend" bei Felix Alexandre Guilmant, Louis Vierne und Jehan Alain. Bei Werken der Spätromantik lassen schwankende Intonation und "vorübergehende" schattenreiche Obertöne sich ins Innere der Musik versenken.

Mein eigenes Spiel an der neuen Epiphanien-Orgel erinnere ich als Verzauberung des Gehörs und unendliches Klangvergnügen. Die Meister der Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt, Bad Liebenwerda, haben die Orgel aus dem ursprünglichen Entwurf von Schulze/Kühn so zu einem Wunderinstrument aufgebaut und ergänzt (im Einklang mit der unvergleichlich guten Akustik der Kirche), daß es jetzt für Orgelmusik jeder Epoche und jeden Stils möglich ist, entsprechende wie auch experimentelle, neuartig ergreifende Klänge zu finden. Letzteres ist von besonderem Wert und unterscheidet die Orgel von anderen: Die Möglichkeit bis zur Grenze des Klangreichtums zu gehen, Schärfe und Raffinesse unseres Gehörs zu fühlen. Zahlreiche Zungenregister verleihen der Orgel überwältigende Macht und Emotionalität. Manche klingen mit böser Kraft und Frechheit (Rankett 16', Trichterregal 4'), was auch einen theatralischen, opernhaften Effekt ergibt, ein Streben nach schrillen Farben. Ein Konzert mit Zungenstimmen kann ebenso strahlende Kraft verkörpern wie die Sehnsucht in "nebeliger Dämmerung" wandernder Klänge.

Die Aliquot-Stimmen geben der Orgel moderne Schwebungen, kosmische Obertöne, den Puls des sich erneuernden Chaos und Anregung für die Phantasie (so klingt etwa die Cymbel 1-4fach 2/9' im II. Manual). Und die zärtlichsten Töne (besonders Holzflöte 8' im II. Manual) vollenden die Tiefe dieser Einbildung. Ohne diese Ergänzung, ohne die berühmte, von Schulze überkommene Kubische Pfeife 8' und die Harmonica Schwebung 8' fehlte der Orgel die Seele, die ihre Zauberkraft besänftigt und erfüllt, zur Hingabe einlädt. Nochmals ein Lob den Orgelbauern der Firma A. Voigt für ihr Verständnis für so sensible, nur mit Kompromissen erreichbare Dinge.

Jurate Landsbergyte, Vilnius

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Expertenmeinung von Prof. Dr. Ewald Kooiman

Mit der jetzt fertig gewordenen Epiphanien Orgel hat die Berliner Orgelszene eine große und wichtige Bereicherung erfahren. Ich halte es für notwendig, daß diese Orgel den ihr zukommenden Platz im Berliner Musikleben hat und daß das breite Spektrum ihrer klangreichen Möglichkeiten von Organisten aus der ganzen Welt regelmäßig dem Berliner Publikum vorgeführt wird. Außerdem hat sie, als einzigartiges Beispiel der klanglichen und technischen Forschungen von Karl Theodor Kühn und Herbert Schulze, schon jetzt Denkmalswert. Sie verdient es in ihrer Gesamtkonzeption geschützt zu werden. Die Firma A. Voigt (Bad Liebenwerda) hat mit der Fertigstellung dieser Orgel ein eindruckvolles Beispiel ihres Können geliefert.

Prof. Dr. Ewald Kooiman
Hoofddorp/Niederlande März 1996

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Prof. Heinz Wunderlich über die Epiphanien-Orgel in Berlin

Anläßlich meines Orgelkonzertes am 14. Januar 1996 im Rahmen der Festkonzerte zur Einweihung der Orgel in der Epiphanienkirche Berlin-Charlottenburg konnte ich mich von den hohen Qualitäten dieses außergewöhnlichen Instrumentes überzeugen. Die noch von dem für die Weiterentwicklung des Orgelbaues bedeutenden Organologen Herbert Schulze in Zusammenarbeit mit Karl Theodor Kühn in den siebziger Jahren entworfene Orgel blieb aus finanziellen Gründen ein Torso. Erst im Gedenken an den 100. Geburtstag von Herbert Schulze konnte sie von der Firma "Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt Bad Liebenwerda" vollendet werden. Von all den Orgeln, die ich im Laufe meines Lebens als konzertierender Organist in aller Welt spielen durfte, hat das Instrument in der Epiphanien-Kirche einen ganz besonderen Eindruck auf mich gemacht. Mit der sauberen handwerklichen Arbeit, wie der klanglichen Qualität, steht die Firma "Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt" in der Reihe international renommierter Orgelbauer. Faszinierend ist die Klarheit und Durchhörbarkeit aller Stimmen im polyphonen Spiel. Durch den Einbau von computergesteuerten Schwelltüren in allen Werken, läßt sich die Balance zwischen den Manualen und Pedal auf eine bisher noch bei keiner Orgel erreichten Vollendung herstellen. Beeindruckend ist die Farbigkeit und der singende Klang: Mensurierung und Intonation zeugen von großem Können. Auf der Epiphanien-Orgel gibt es für die Gestaltung aller Stilepochen keine Probleme. Dieses Instrument wird für die zukünftige Entwicklung des Orgelbaues von Bedeutung sein, eine Meisterleistung von "Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt Bad Liebenwerda".

Großhansdorf, 20. Februar 1996
Heinz Wunderlich (Hamburg)

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Prof. Stefan Engels  über die Epiphanien-Orgel in Berlin

"Anläßlich meines Orgelkonzertes am 9. Januar 2000 erhielt ich die Möglichkeit, die ungewöhnliche und faszinierende Orgel der Epiphanienkirche in Berlin-Charlottenburg kennenzulernen. Vorab möchte ich der Orgelbaufirma: Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt Bad Liebenwerda zu dieser Meisterorgel gratulieren.

Das Instrument ist ein sehr konsequentes bezüglich Klanggestalt und technischer Anlage. Es ist keine Kompromißorgel, wie man sie heutzutage leider häufig findet. ...

Die deutliche Transparenz des Klanges dieser Orgel steht als eines der Hauptmerkmale im Vordergrund. Sowohl die Reinheit der Einzelregister als auch die gelungene Mischung der verschiedenen Registertypen tragen zu dieser Klangtransparenz bei. ...

Die mit den computergesteuerten Schwelltüren aller Werke zu erzielenden dynamischen Schattierungen verleihen der Orgel regelrecht orchestrale Elemente und garantieren die perfekte Balance bei sämtlichen Registrierungen. Die kraftvolle Grundsubstanz sowie der Farbenreichtum der verschiedenen Register dieser Orgel erlauben die Interpretation zahlreicher Stilepochen der Orgelmusik. Die klaren und intimen akustischen Bedingungen in der Epiphanienkirche bewirken ein wahres Hörerlebnis im Raum. Der Zuhörer ist in der Lage, selbst komplexe kompositorische Strukturen deutlich zu erfassen."

Prof. Stefan Engels
Princeton New Jersey/USA, 14. Januar 2000

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