A. Voigt sen. übernahm die Firma 1905

Charlotte Voigt, geboren am 5. April 1840 - ebenfalls in Burkersdorf - , war unentwegt mit in Raspes Werkstatt tätig. Oft wurden er und seine Gehilfin auch mit Pferdegespann abgeholt und wieder zurückgebracht, wenn es sich um das Stimmen und Reparieren von Orgeln handelte, die sich in Orten befanden, welche nur in mehreren Tagesreisen zu erreichen waren.
Sie hatte ihren am 2. Mai 1876 in Burkersdorf geborenen Sohn Arno Voigt in der verwandtschaftlichen Familie Hugo Polasky in Burkersdorf bis zur Schulentlassung (Schule Oberwirbach/ Thüringen) untergebracht. Raspe war es, der ihm eine Lehrstelle beim Tischlermeister Wilhelm Hentschel in Liebenwerda vermittelte. Er erkannte seine handwerklichen Begabungen, verbunden mit ausgezeichnetem musikalischen Gehör, rechtzeitig und sorgte für Arnos Ausbildung. Klavierunterricht erhielt er bei der Lehrerin Jost, und im Geigenspiel unterrichtete ihn Herr Günther, beide in Liebenwerda.


Charlotte Voigt


Arno Voigt

Während der ersten Lehrjahre verstarb Raspe noch vor Beendigung der Ausbildung des Arno Voigt. Charlotte Voigt erbte den gesamten Nachlass Raspes. Er erstreckte sich sowohl auf alle Werkzeuge als auch ein nicht unerhebliches Vermögen, das die Grundlage und das Fundament einer beachtlichen Existenz bilden sollte. Als 1894 Arnos Lehrzeit beendet war, arbeitete der junge Tischlergeselle beim Orgelbaumeister Conrad Geißler in Eilenburg von 1894-1895 - Raspe hatte noch vor seinem Tode dafür die Wege geebnet - und von 1895-1898 bei Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann in Zörbig.


Zertifikat von W. Rühlmann 1898

Im Anschluss an seine Militärzeit war er von 1900-1905 bei der Firma Schlag & Söhne, Orgelbauanstalt in Schweidnitz (Schlesien), tätig. Seine Initiative zur Neugründung einer Orgelbaufirma wurde leidenschaftlich von seiner Mutter Charlotte Voigt unterstützt, die ihm dafür das gesamte Vermögen und den Nachlass von F. Raspe zur Verfügung stellte, allerdings unter der Bedingung, dass der Firmenaufbau in Liebenwerda erfolgt. 1904 baute Arno Voigt eine neue Werkstatt in Liebenwerda und gründete 1905 seine Firma.



Der erste Teil der Orgelbaufirma 1905

Vermutlich für Eichholz b. Doberlug wurde die erste neue Orgel erbaut. Sie trägt allerdings noch heute die Aufschrift "Opus 3", was die Existenz früherer Werke vermuten lässt.

Disposition Eichholz 1905 Opus 3

I. Manual
1. Principal 8'
2. Hohlflöte 8'
3. Oktave 4'

Windladensystem
Kegellade

Tontraktur
pneumatisch

Koppeln
II/I, I/P, II/P,
Super II/I

II. Manual
4. Salicet 8'
5. Lieblich gedackt
6. Flaut travers 4'

Pedal
7. Subbaß 16'
8. Cello 8'

Registertraktur
pneumatisch

Registrierhilfen
piano, mezzoforte, forte

Bis 1914 konnten 37 Orgelwerke gebaut werden. Bereits 1913, nachdem inzwischen weitere Werkstattgebäude fertiggestellt waren, erhielt die Firma anlässlich der "Allgemeinen Industrie- und Gewerbeausstellung" eine "GOLDENE MEDAILLE" für das ausgestellte Orgelwerk.

Es stand alles in voller Blüte, als 1914 der Weltkrieg ausbrach. Von den sechs in den Krieg eingezogenen Gesellen kehrte nur einer wieder zurück. Von den Lehrlingen überlebte den Krieg keiner. 

Der Meister wurde 1915 in Frankreich durch einen schweren Kopfschuss, der den vorübergehenden Verlust der Sprache nach sich zog, verwundet und an Leib und Seele gebrochen, im Jahre 1916 vom Wehrdienst beurlaubt. Seine sich um ihn sorgende Mutter fand er gerade noch lebend; sie verstarb am Tag des Endes seines Lazaretturlaubs, am 12. Januar 1916.

Nach seiner endgültigen Militärentlassung wurde Meister Arno Voigt behördlicherseits beauftragt, die Beschlagnahme der Orgelprospektpfeifen im landschaftlichen Umfeld durchzuführen und die Maße sicherzustellen. Die über vierhundert beschlagnahmten Prospekte wurden nur schrittweise in den Folgejahren wieder durch Zinkpfeifen ersetzt, was natürlich keinen gleichwertigen Ersatz darstellte.

In dieser schweren Zeit, mitten im Krieg, begann die Lehrzeit von Arno Voigt jun. Nach Abschluss der Beschlagnahmungs-Aktion stellte man den Betrieb auf Möbelbau um und zwar auf Fertigung "guter schwerer" Möbel. Zur Firma gehörten einige erstklassige Tischler, die in der Lage waren, sich erforderlichenfalls schnell auf Orgelbau umzustellen. Der Auftrag zum Neubau der Orgel in Ortrand am 10. Februar 1918 war der erste größere Auftrag noch im Krieg. Es folgte die Anfertigung einer Reihe kleinerer Orgeln, bis am 15. März 1921 die dreimanualige Orgel in Kirchhain eingeweiht wurde.


Klosterkirche
Mühlberg 1914 III/32

Die folgenden Jahre der Inflation brachten schwere Belastungen für die Firma. Trotz dieser Belastungen finanzierte Arno Voigt ein Musikstudium für seinen Sohn am Konservatorium in Dresden.


Meisterzeugnis

Arno Voigt jun. studierte später in der Meisterklasse Orgel bei Prof. H. Fährmann und schloss mit einem Diplom ab. 1928 legte er die Orgelbaumeisterprüfung ab. Seine Meister-Orgel mit 15 Register wurde später nach Senftenberg-West verkauft.


Orgeldiplom Prof. Fährmann

Nachdem am 12. Februar 1930 Arno Voigt sen. mit 54 Jahren kurz vor seinem 25-jährigen Geschäftsjubiläum verstarb, übernahm Arno Voigt jun. die Geschäftsleitung. Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges wurden insgesamt ca. 80 Orgeln (pneumatische Kegellade) mit einer Belegschaft von bis zu 25 Mitarbeitern gebaut. Mit dem Einzug von A. Voigt jun. 1939 zum Kriegsdienst ruhte die Firmentätigkeit.

Nach dem Ende des Krieges 1945 wurden zunächst Notreparaturen an den Orgeln in der engsten Heimat ausgeführt. Es galt, kriegszerstörte Orgeln - Material gab es nicht - wieder instandzusetzen und spielbar herzustellen.


Plossig II/7
1911

Langenrieth II/7
1914

Rügenwalde II/38
1925

Lautawerk II/9
1932

Kirchhain III/34
1934

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