Der Beginn des Orgelbaus in Bad Liebenwerda 1855

Die Tradition des Orgelbauhandwerks in Bad Liebenwerda reicht bis in das Jahr 1855 zurück.

Christian Friedrich Raspe, geboren im Jahre 1822 in Burkersdorf (Thüringen), baute erstmals Orgeln in Liebenwerda. Er verstarb am 18. Januar 1892 in Liebenwerda.

Belegbar ist, dass Raspe zuvor bei Orgelbaumeister Conrad Geißler in Eilenburg im Dienst stand, in dessen Namen und Auftrag er um 1852 an der Orgel der Liebenwerdaer Kirche St. Nikolai gearbeitet hatte. 1855 machte er sich in Liebenwerda selbstständig. In diesem Zusammenhang erschien im "Liebenwerdaer Kreisblatt" folgende Anzeige:

1855
Vertrag, unterzeichnet von Friedrich Raspe

"Ein neu erbautes Orgelwerkchen mit fünf klangbaren Registern und Pedalkoppel steht bei mir zum Verkauf.
Liebenwerda, den 6. Dezember 1855
Friedrich Raspe"
Mit 33 Jahren hat Raspe sein erstes Werk gebaut und dieses in der oben angeführten Veröffentlichung zum Verkauf angeboten. Umfangreiche Reparaturen führte Raspe bereits vorher aus. Man kann dies einer Anzeige im "Liebenwerdaer Kreisblatt" - Nummer 43 - entnehmen, in der am 28. August 1855 zu lesen war:

Öffentlicher Dank!

Dem Orgelbauer, Herrn Raspe in Liebenwerda, welcher sein Versprechen, unsere einer Reparatur von uns nicht mehr werth gehaltene Orgel wieder in guten und brauchbaren Stand zu setzen, auf eine vollkommen befriedigende Weise gelöst hat, fühlen wir uns gedrungen, unsere Anerkennung und unseren Dank hierdurch öffentlich auszusprechen. Möge dem anspruchslosen, als gediegenem und reellem Manne, vielfach Gelegenheit werden, seine Geschicklichkeit zu Gottes Ehre und zur Freude christlicher Gemeinden zu gewähren.
Linz b/Großenhain, den 28. August 1855

Im Namen der Gemeinde: gez. Eißner Pfarrer "

Raspe fertigte sämtliche Orgelteile einschließlich aller Zinnpfeifen selbst an. Er war nicht nur ein vorzüglicher Tischler, sondern auch ein guter Konstrukteur und Intonateur. Die wenigen Orgeln, die nachweislich aus dem Nachlass bekannt wurden (er signierte keinen Neubau), zeugen von Qualitätsarbeit und der Verwendung besten Materials. Die Werke zeichnen sich auch durch eine leicht spielbare Tontraktur aus.

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